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uni'leben 01-2012

01 2012 unı leben Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg www.leben.uni-freiburg.de 10 de am Fahnenbergplatz stattfindet. „Mir hat die Idee eines solchen Tages spontan gefallen“, sagt Monika Lud- wig, die das Sekretariat des Kanzlers leitet. „Bisher beteiligen sich weni- ge aus unserem Haus, aber gerade deshalb ist es wichtig, eine solche Veranstaltung hierher zu bringen.“ Man lerne viel dabei und entwickle Verständnis für andere Abteilungen, mit denen man sonst nur am Telefon Kontakt habe. Ein stark verändertes Berufsbild Wieder ist der Austausch mit den Kolleginnen ein wichtiger Punkt im Programm. „Gespräche zu der richti- gen Eingruppierung, zum Urlaub oder zu der Frage, wer der direkte Chef ist, sind Punkte, die auch die Universität betreffen“, sagt Bendrich. Spannend findet Fabry-Flashar die Namens- findung für ihre Kolleginnen. „Sind wir nun Sekretärinnen, Assistentin- nen oder Koordinatorinnen?“ Dass sich das Berufsbild von ehemaligen Schreibkräften und Sekretärinnen an der Universität stark verändert hat, erfahren die Universitätsangestell- ten Jahr für Jahr im Job. Der Infotag reagiert auf diese Herausforderung und bietet in Zusammenarbeit mit der Freiburger Akademie für Universitäre Weiterbildung Workshops zu Themen wie elektronische Datenverarbeitung, richtige Organisation oder „Starker Auftritt – starke Wirkung“ an. Sechs dezentrale Netzwerke in den Fakultäten sorgen bereits dafür, dass die Kolleginnen sich gegenseitig in- formieren und selbstbewusster wer- den. „Dazu gehört auch, dass sie für ihre Rechte eintreten und je nach An- forderung im Job eine faire Eingrup- pierung bekommen“, sagt Klaas. An- dere betonen, wie wichtig ihnen die kollegiale Beratung ist. „Bei unserer Arbeit spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine große Rolle“, sagt Sabine Rhino. „Im Gespräch mit Kol- leginnen kann man viele Dinge ein- fangen und entschärfen.“ Alle freuten sich auf den zweiten Informationstag, sagt Bendrich. Stände von Sponso- ren und Uni-Einrichtungen bilden eine Wissensbörse für den Infotag. Bei guter Resonanz planen die Netzwerkerinnen, andere Hochschu- len im Freiburger Stadtgebiet mit ins Boot zu holen und deutlich zu ma- chen, welch wichtiges Rädchen sie im großen Räderwerk der Hochschu- len sind. Zweiter Infotag für Büromanagement Die Veranstaltung findet am 1. März 2012 von 9 bis 16 Uhr im Rektorats- gebäude am Fahnenbergplatz statt. Die Organisation der Anmeldung zu den Workshops übernimmt die Akademie für Weiterbildung. Für Be- schäftigte der Universität und des Universitätsklinikums sind die Veran- staltungen kostenfrei. Kontaktadresse des Sekretärinnennetzwerks: von Eva Opitz Das Telefon klingelt, ein Stapel von Unterschriftsmappen wartet auf die Weitergabe, der Chef ruft durch die Tür und im Büro stehen Besucher. Wer da die Ruhe behält, ist am richti- gen Platz. Mehr als 330 Mitarbeiterin- nen und Mitarbeiter in der Verwaltung der Universität erleben täglich von morgens bis Dienstschluss ähnliche Situationen. Grund genug für einige Frauen und Männer im Klinikum und in der Universität, gemeinsam darüber nachzudenken, wie diese Herausfor- derungen zu bewältigen sind und wie sich ein Berufsbild definiert, das sich immer mehr mit dem des Manage- ments überschneidet. Im Mittelpunkt steht der Austausch 2010 hat eine Gruppe von Klinikan- gestellten eine Arbeitsgemeinschaft für Sekretariatsangestellte gegrün- det und organisierte bei ihren vier- teljährlichen Treffen den ersten In- fotag für Büromanagement.„Dieser Infotag stieß auf große Resonanz“, sagt Sigrid Bendrich, Managemen- tassistentin in der Abteilung Inne- re Medizin. Im Mittelpunkt standen Workshops zu beruflichen Themen und vor allem der Austausch mit den Kolleginnen. „Es war jedoch schade, dass so wenige Leute aus der zent- ralen Verwaltung der Universität da- bei waren“, sagt Sabine Rhino aus dem Vorzimmer des Vizerektors im Rektorat. Zusammen mit ihren Kol- leginnen Monika Ludwig, Angelika Fabry-Flashar aus der 11. Fakultät und der Beauftragten für Chancen- gleichheit, Katharina Klaas, gründete sie ein Organisationsteam für einen zweiten Infotag für Büromanagement, der dieses Mal im Rektoratsgebäu- von Eva Opitz „Die Aushöhlung des demokra- tischen Rechtsstaats durch Wehr- machtsjuristen?“ titeln die Heraus- geber Prof. Dr. Joachim Perels und Wolfram Wette, emeritierter Ge- schichtsprofessor an der Freiburger Universität, in der Einleitung ihrer Auf- satzsammlung über den Einfluss ehe- maliger NS-Juristen der Wehrmacht im Nachkriegsdeutschland. Die Aufsätze sind Beiträge zu einem Symposium zum Thema Wehrmachtjuristen, das 2010 in Leipzig stattfand. Die sieben Kapitel des Buches zeigen den neu- esten Forschungsstand zu ehemaligen NS-Wehrmachtjuristen nach 1945: ih- ren Karrieren, ihrem Einfluss darauf, wie die Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgearbei- tet beziehungsweise verhindert wurde, und den Folgen für den demokrati- schen Prozess in Deutschland. Die Autoren kommen aufgrund von Quellen, die bislang nicht zugänglich waren, zu bemerkenswerten Ergeb- nissen, die die Rolle der ehemaligen Wehrmachtjuristen in einen sehr viel kritischeren Zusammenhang stel- len, als das bisher bekannt war. Sie weisen nach, dass die Militärjuristen in Schlüsselfragen der allgemeinen Rechtsentwicklung prägenden Ein- fluss hatten, dass ihre Todesurteile auch nach dem Untergang des Nazi- Regimes als rechtsgültig anerkannt wurden und dass sie mit ausgefeilten juristischen Argumentationen alles daran setzten, als nicht schuldig da- zustehen. Als einen Beweis, dass sie damit erfolgreich waren, werten die Verfasser die Tatsache, dass die de- mokratischen Verfassungsorgane erst 50 Jahre nach Kriegsende sämtliche Unrechtsurteile des Hitler-Regimes aufhoben. Hochrechnungen zufolge handelt es sich in den Jahren 1933 bis 1945 um 30.000 Todesurteile, von denen mindestens 20.000 vollstreckt wurden. Anders als bei Opfergruppen, die im Buch aufgeführt werden und die nach Kriegsende keine Entschädigung erhielten, wur- den ehemalige Wehrmachtju- risten in den Staatsdienst wie- der eingegliedert, bekamen Lehrstühle, wurden Rektoren, Bundesrichter oder gar Minis- terpräsident wie Hans Filbin- ger in Baden-Württemberg. Ihm wurden lediglich 1978 der Vorabdruck eines Stückes des Autors Rolf Hochhuth und die Diskussion darüber in der Wochenzeitung „Die Zeit“ zum Verhängnis. Die Wissenschaftler sehen darin ein Beispiel dafür, wie es den Wehrmachtjuristen lange Zeit gelungen sei, sich gegensei- tig mit Hilfe ihrer Netzwerke zu decken. Darüber hinaus trugen sie dazu bei, dass die Justiz nach Kriegsende bei der Aufarbeitung der von ihnen begangenen Verbre- chen versagte. In der Bundesrepublik, so die Autoren, wurde kein einziger Militärrichter wegen seiner Todesstra- fenpraxis angeklagt. Erschreckend und zugleich höchst informativ sind die eingefügten Biographien einiger der „furchtbaren Juristen“, die ex- emplarisch zeigen, wie verstrickt sie in die NS-Ideologie waren, sich zu willigen Anweisern und Exekutoren von Befehlen zu Massenverbrechen machen ließen und nach 1945 keiner- lei Einsicht zeigten. Wer sich weiter informieren möchte, kann sich auf ein außerordentlich ausführliches Quellen- verzeichnis stützen. Joachim Perels/Wolfram Wette (Hrsg.): Mit reinem Gewissen, Wehrmachtrichter in der Bundesrepublik und ihre Opfer, Aufbau Verlag Berlin 2011, 474 Seiten, 29,99 Euro kompass Herausforderungen gemeinsam bewältigen Organisationsteam veranstaltet zweiten Infotag für Büromanagement im Rektorat www.chancengleichheit. uni-freiburg.de/infotag flashar@tf.uni-freiburg.de Wehrmachtjuristen im Nachkriegsdeutschland Der Geschichtsprofessor Wolfram Wette ist Mitherausgeber von Beiträgen über die Rolle der „furchtbaren Juristen“ nach 1945 Mitglieder des Organisationsteams (von links): Sigrid Bendrich, Monika Ludwig, Katharina Klaas, Angelika Fabry-Flashar und Sabine Rhino. foto: kunz