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uni'leben 01-2012

01 2012 unı leben Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg www.leben.uni-freiburg.de 2 Sie heißen Neutrinos, was so viel heißt wie „kleine neutrale Teil- chen“. Für Aufsehen haben sie ge- sorgt, als sie scheinbar schneller, als Albert Einsteins Relativitäts- theorie es erlaubt, die rund 700 Kilometer vom schweizerischen Genf bis zum Gebirgsmassiv Gran Sasso in Süditalien zurücklegten. Eva Opitz hat den Privatdozenten Dr. Christian Schill vom Institut für Physik der Universität Freiburg zum Hintergrund dieses Ergebnis- ses befragt. Der Physiker arbeitet bei der Europäischen Organisa- tion für Kernforschung (CERN) in Genf am COMPASS-Experiment mit. Physikerinnen und Physiker aus allen europäischen Ländern untersuchen bei diesem Projekt, wie Protonen und Neutronen zu- sammengesetzt sind. uni’leben: Was sind das für Teil- chen, die Einsteins Theorie wider- legen könnten? Christian Schill: Neutrinos sind noch relativ unerforscht. Wir wissen erst seit circa zehn Jahren, dass sie überhaupt eine Masse haben. Sie sind zwar Teil des so genannten Standardmodells der Physik, aber wir wissen nicht einmal, welches von den drei uns bekannten Neutrinos das schwerste oder das leichteste ist. Fest steht, dass Neutrinos die leichtesten der uns bekannten Teilchen sind. Fliegen sie deshalb so leicht in gerader Linie durch die Erde nach Italien? Sie stehen mit der Materie in einer so schwachen Wechselwirkung, dass sie alles durchdringen. Wenn sie nicht aus dem Teilchenbeschleuniger im CERN kommen, werden sie von der Sonne durch Kernfusion produziert. Neutrinos fliegen auch durch uns hin- durch, und das selbst nachts. Wenn auf der anderen Seite der Erde die Sonne scheint, durchdringen sie die Erde und kommen bei uns an. Bis zum Gran Sasso fliegen sie 10 bis 15 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche und müssen daher keine Rücksicht auf die Erdkrümmung nehmen. Warum hat der Teilchenbeschleu- niger im CERN die Neutrinos auf die Reise nach Italien geschickt? Im Gran Sasso ist ein Detek- tor, der den gebündelten Strahl aus dem CERN auffangen und analysie- ren kann. Es ist nicht ganz einfach, Neutrinos zu erzeugen, und das in sol- chen Mengen, dass wir sie nachwei- sen können. Dabei war das Ziel eigent- lich, Massenunterschiede zwischen den drei Neutrinosorten zu bestim- men, und nicht, die Geschwindigkeit zu überprüfen. Selbst ein so großer Detektor wie der im Gran Sasso kann unter Milliarden verschickter Teilchen nur eine Handvoll nachweisen. Wie können Wissenschaftler die Neutrinos nachweisen? Das Verfahren ist kompliziert. Sie werden im Grand Sasso auf eine Fo- toemulsion gelenkt. Wenn sie dort mit anderen Teilchen in Wechselwirkung treten, hinterlassen die dabei erzeug- ten Elementarteilchen eine Spur, die im günstigsten Fall zum CERN zu- rückweist. Ein paar zeigen eine Spur zur Sonne hin. Dann wissen wir, sie kommen nicht aus Genf, sondern aus dem Weltall. Es handelt sich um 60 milliards- tel Sekunden, die die Neutrinos schneller als das Licht gewesen sein sollen. Wie ist es möglich, die Geschwindigkeit so genau festzustellen? Auf beiden Seiten wurde die Zeit mit genau aufeinander synchronisier- ten Atomuhren gemessen. Sie gehen auf die Milliardstelsekunde genau. Die Strecke messen klassische Geo- meter mithilfe von GPS-Geräten aus. Unabhängige Tests haben gezeigt, dass diese Streckenmessungen sehr genau ausfallen. In der Strecke ge- messen, liegen die Neutrinos, vergli- chen mit einem normalen Lichtstrahl, 20 Meter weiter vorne. Demnach hätten sie die Lichtgeschwindigkeit überboten. Wie beurteilen Sie das Ergebnis? Bisher hat sich bei allen Teilen von Einsteins Theorie kein Test ge- funden, der einen ernsten Wider- spruch begründen würde. Das wäre das erste Mal. Kritische Stimmen, die einen Messfehler vermuten, gibt es sowohl innerhalb als auch außer- halb des Experimentes. Daher muss das Ergebnis des CERN in einem weiteren Experiment überprüft wer- den. In den USA ist ein solcher Ver- such am Fermilab in Illinois schon angelaufen. Kann Einstein von seiner ewigen Ruhestätte aus weiterhin ruhig zuschauen? Es wäre erstaunlich, wenn sich die Neutrinos als Einzige in der gan- zen Teilchenfamilie außerhalb des Standardmodells stellen und die Re- lativitätstheorie verletzen würden. Gegen das Ergebnis spricht zudem die Erfahrung aus einer der vergan- genen Sternenexplosionen, einer Supernova: Da kamen die Neutrinos und das Licht gleichzeitig auf der Erde an. Auf der anderen Seite darf man große Entdeckungen auch nicht ignorieren, und Neutrinos sind relativ unbekannte Teilchen. Da haben wir ein großes Feld für die Teilchenphy- sik aufgetan. aktuell Fahrradtour durch oberrheinische Universitätsstädte Die Eucor-Tour findet in diesem Jahr vom 24. bis zum 28. Mai statt. Sie führt durch die oberrheinischen Universitätsstädte Karlsruhe, Straßburg, Mulhouse, Basel und Freiburg. Alle Angehörigen der Mitgliedsuniversitäten des Eucor-Netzwerks können teilnehmen. Studierende, Dozierende sowie Angestellte der Universitäten können sich bis Ende Februar auf der Tour- Eucor-Homepage anmelden. Wenn die Zahl der Anmeldungen die Zahl der freien Plätze übersteigt, wird das Los entscheiden. Die Universitätsbibliothek lässt Probe sitzen Die Arbeiten an der neuen Universitätsbibliothek (UB) sind in vollem Gang. Nun haben Interessierte die Möglichkeit, bei der Auswahl der Sitz- gelegenheiten zu helfen. Noch bis zum 29. Februar 2012 können zukünftige Nutzerinnen und Nutzer Musterstühle Probe sitzen und ihre Bewertung in Auswahllisten für die Möblierung der neuen UB eintragen. Mit der unkon- ventionellen Stuhlsuche stellt die UB sicher, dass sie Wissensdurstigen das am besten geeignete Mobiliar für durchlernte Tage und Nächte in den Lesesälen anbietet. Darüber hinaus wird unter allen Teilnehmenden eine BIBBAG, eine durchsichtige Tragetasche für einen bequemen Transport von Lernmaterial, verlost. Das neue ZfS-Programm ist da Das Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) der Universität Freiburg hat das neue Programm für die Bereiche Berufsfeldorientierte Kompetenzen (BOK) und Modul Personale Kompetenz (MPK) veröffentlicht. Im aktuellen Heft finden sich wieder zahlreiche Lehrveranstaltungen in den BOK-Be- reichen Management, Kommunikation, Medien, EDV und Fremdsprachen. Bachelorstudierende können aus etwa 60 Veranstaltungen wählen, die während der vorlesungsfreien Zeit zwischen Wintersemester 2011/12 und Sommersemester 2012 stattfinden. Auch im MPK-Bereich für Lehramtsstu- dierende finden erstmals Ferienveranstaltungen statt. Die Onlinebelegung der Semesterveranstaltungen für Bachelor-, Jura- und Lehramtsstudierende beginnt am 2. April 2012. Die Restplatzvergabe, bei der auch Studierende anderer Studiengänge Veranstaltungen belegen können, startet am 17. April 2012. Das gesamte Angebot kann auf der Homepage des ZfS eingesehen werden. Darüber hinaus liegt das Programmheft für das Sommersemester 2012 vor der Geschäftsstelle des ZfS in der Alten Uni aus. www.tour-eucor.org/de www.zfs.uni-freiburg.de Schneller, als Einstein erlaubt Der Kernphysiker Christian Schill erklärt, wie die winzigen Neutrinos mehr als 700 Kilometer von der Schweiz nach Italien geflogen sind Neutrinos können Festkörper durchdringen. Die Wissenschaftler verfolgen den Weg von Genf bis zum 732 Kilometer entfernten Gran Sasso genau. grafik: CERN Termine Foto: Kunz Ein neues Banner ziert seit Ende 2011 die Fassade des Rektoratsge- bäudes am Fahnenbergplatz. Nach- dem das alte Transparent durch Wit- terungseinflüsse stark beschädigt war, musste es gegen ein frisches Exemplar ausgetauscht werden. Das Zitat „Ich stehe in der Sonne und fühle, wie mir die Flügel wachsen“, das in großen Lettern auf dem Ban- ner prangt, stammt von Elly Heuss- Knapp (1881–1952), als sie 1905 ihr Studium der Nationalökonomie an der Albert-Ludwigs-Universität auf- genommen hatte. Später heiratete sie Theodor Heuss, den ersten Bun- despräsidenten. Unter dem Trans- parent ist eine Tafel mit Informati- onen über die Urheberin der Texte angebracht. Die Universität Freiburg hatte 1900 als erste Universität in Deutschland Frauen zum Studium zugelassen. In den Bann gezogen Der Kernphysiker Christian Schill erforscht am CERN das Verhalten von Protonen und Neutronen. Foto: Schönewerk › Mittagstisch mit Salatbuffet › Gartenwirtschaft Kantinenstraße 12 | 79106 Freiburg | 0761.76 66 68 81 | info@die-kantina.de › Sonntag Frühstücksbuffet › Kaminzimmer (bis 40 Personen) www.die-kantina.de Frisch aufgemacht für Anhänger guter Volks-Wirtschaft