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uni'leben 01-2012

01 2012 unı leben Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg www.leben.uni-freiburg.de 3 Nina Degele ist Soziologiepro- fessorin und möchte, dass Frauen in Führungspositionen an der Uni- versität selbstverständlich werden. Prof. Dr. Heiner Schanz ist als Vi- zerektor für die Gleichstellung zu- ständig und hat dasselbe Ziel. Aber darüber, wie die Albert-Ludwigs- Universität das erreichen soll, sind sie sich nicht einig. Rimma Geren- stein hat beide gefragt: Braucht die Universität Freiburg eine Frauen- quote? uni’leben: Frau Degele, Sie sind Professorin und waren acht Jahre lang geschäftsführende Direkto- rin des Instituts für Soziologie. Sie sind doch der beste Beweis dafür, dass die Universität keine Frauen- quote braucht. Nina Degele: Warum? Professo- rinnen sind hier katastrophal unter- repräsentiert. Ich bin am Institut die einzige unter lauter Männern. Auch an der Fakultät habe ich fast nur Männer um mich herum. Ich bin ein Beweis für die Notwendigkeit einer Frauenquote. Wir brauchen sie, um den Anteil von Frauen auf eine zumindest halbwegs geschlechtergerechte Zahl zu stei- gern. An der Universität hat sich der Professorinnenanteil seit 1990 um 0,7 Prozent erhöht. Wenn wir alle geduldig sind, können wir noch bis 2040 warten, um einen Frauenanteil von 40 Prozent zu erreichen. Aber das verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Heiner Schanz: Da widerspre- chen Sie aber den Entwicklungen in Freiburg, die ohne Quote zustande kommen. 2008 – da lag der Profes- sorinnenanteil bei 13 Prozent – haben wir unsere Gleichstellungspolitik ver- ändert. 2010 stieg der Anteil auf 16 Prozent, 2011 waren es schon 19. Das macht deutlich, dass wir es auch ohne Quote schaffen, allein durch geeig- nete Rahmenbedingungen und neue Maßnahmen. Wie sehen diese Maßnahmen aus? Schanz: Es läuft vor allem über Führung, um die Verantwortlichen darauf aufmerksam zu machen, dass sie oft jemanden unbewusst diskrimi- nieren – etwa über die Sprache, wenn sie in einem Text nur die weibliche oder die männliche Form verwenden, oder in Auswahlverfahren. Außerdem haben wir Anreize geschaffen, wie zum Beispiel das Stay-Stipendium, mit dem wir junge Wissenschaftlerin- nen in der Übergangszeit zwischen der Promotion und der Habilitation unterstützen. Degele: Ich habe mir die Homepage des Rektorats angeschaut: nur eine einzige Frau – und deren Emailadres- se lautet „Prorektor“. Warum steht da nicht „Prorektorin“? Schanz: Sehr ärgerlich, stimmt. Sie hätten übrigens ein noch viel besseres Beispiel bringen können: elf Dekane, keine einzige Frau. Aber beides hat nichts mit dem Thema Quote zu tun. Über Quote können wir schnell etwas an den Symptomen verändern. Aber das wäre nur oberflächlich. Degele: Sie konstruieren das als ei- nen massiven Gegensatz: Maßnahme versus Quote. Dabei können sich doch beide ergänzen. Die Quote ist ja nicht Selbstzweck. Es geht darum, eine kri- tische Masse zu schaffen und diese Betonköpfigkeit in männerdominierten Führungspositionen aufzubrechen. Wir blicken in Freiburg auf eine Geschichte ohne eine einzige Rektorin zurück, ob- wohl die Universität die Chance dazu hatte. Das ist für eine Universität, die exzellent bleiben und eine Vorreiter- position übernehmen will, mehr als peinlich. Was finden Sie überhaupt schlimm an einer Quote? Schanz: Zunächst einmal: Ge- schlecht an sich ist noch kein Pro- gramm. Es gibt exzellente Universi- täten, die von einer Rektorin geführt werden, aber sehr wenige Professorin- nen haben. Messen Sie Exzellenz bitte an den positiven Entwicklungen bei der Anzahl von Professorinnen und nicht daran, ob nun vier oder fünf Männer im Rektorat sitzen. Im Übrigen habe ich pauschal nichts gegen eine Quote, bin aber nur dort dafür, wo trotz kla- rer Führung über längere Zeit keine Bewegung zu sehen ist. Wo bewuss- te oder unbewusste Diskriminierung stattfindet, würde sie vielleicht helfen – gerade, um für junge Frauen Vorbilder zu schaffen. Wo gibt es Formen von Diskrimi- nierung? Schanz: Bei den Nachwuchspreisen. Dort ist die Zahl von Preisträgerinnen mit etwa 30 Prozent sehr gering. Dabei ist die Mehrzahl unserer Absolventen weiblich. Und im Schnitt sind Frauen eine Note besser als Männer. Trotz- dem plädiere ich dafür, dass wir es zunächst mit Sensibilisierung versu- chen, um wirklich nachhaltig etwas zu bewirken. Eine Quote würde nur ein Bild nach außen produzieren. Dann stünden beim Akademischen Jahr 40 Prozent Preisträgerinnen auf der Büh- ne, aber in den Köpfen hätten wir mit einer Quote nichts verändert und keine tief greifende Entwicklung erreicht. Degele: Ich möchte andere Reali- täten, die andere Bilder produzieren. Und zurzeit sehen die so aus, dass Berufungskommissionen männerlastig sind. In dem Freiburger Leitfaden für Berufungsverfahren steht zum Beispiel, dass die Fakultät für jede externe Gut- achterin 5.000 Euro erhält. Da besteht die Gefahr, dass die Fakultät diese Summe einfach einstreicht, ohne dass ich weiß, was damit geschieht. Warum nutzen Sie das Geld nicht, um eine Frau zur Professorin zu ernennen? Schanz: Weil wir nicht nach Ge- schlecht aussuchen, sondern allein nach Qualität. Wir wollen uns nicht dem Verdacht aussetzen, dass eine Frau eine Stelle nur deswegen be- kommt, weil wir eine Quote erfüllen müssen und eine „Kopfprämie“ zahlen. Das kann schnell zum Schimpfwort werden. Degele: Ich lebe lieber mit dem Schimpfwort „Quotenfrau“, habe dafür aber mehr Frauen in den Gremien. Die Quote ist keine Lösung, sondern ein Mittel. Das ist wie Schwimmflügel zu benutzen, um schwimmen zu lernen. Vor dem Hintergrund einer Quote würden Professoren viel mehr Wis- senschaftlerinnen ermutigen, sich zu habilitieren. Die Zahl der Habilitan- dinnen liegt in Freiburg in vielen Fä- chern bei null. Und bei Berufungen kommt dann das Argument: Es gibt ja keine geeigneten Kandidatinnen. Schanz: Diese Scheren haben wir tatsächlich. Aber man muss genau darauf achten, wo sie in den Fakul- täten beginnen. Klassisches Beispiel ist die Biologie: Da ist die Schere nicht bei den Habilitationen, weil das kumulative Promovieren und Pub- lizieren als Habilitation anerkannt wird. Oder schauen Sie sich die Rechtswissenschaften an: Der Pro- fessorinnenanteil ist dort sehr gering, weil es außerhalb der Universität für Frauen offensichtlich attraktivere und viel besser bezahlte Stellen gibt. Degele: Nicht ganz. Berufssoziolo- gische Studien zeigen, wie sich die Geschlechter auf Bereiche in der Ju- risterei verteilen: Die gut bezahlten Wirtschaftsanwälte sind zum über- wiegenden Teil Männer. Die längst nicht so gut bezahlten Sozialanwälte sind meistens Frauen. Die Schere bleibt genau die gleiche. Was würde sich ändern, wenn an der Universität mehr Frauen in Führungspositionen wären? Degele: Der Führungsstil würde sich ändern und auch das Bild, das die Universität abgibt. Das hat eine unglaubliche Macht. Denken Sie zum Beispiel an die Fotos, auf denen lauter Männer in dunklen Anzügen sitzen und zwischendrin Kanzlerin Merkel mit einem grünen Sakko. Das ist eine Homogenität, die tief blicken lässt. Genau das meinte der Tele- kom-Vorstand Thomas Sattelberger. Von ihm stammt der Satz: „Karrieren werden beim Pinkeln gemacht.“ Schanz: Führung ist eine Fra- ge der Persönlichkeit und ist wie Gleichstellung eine Verantwortung, die nichts mit Geschlecht zu tun hat. Und wer auf Bilder abzielt, unterliegt der Gefahr, die Diversität zu über- sehen – keine Gruppe ist homogen, schon gar nicht Männer in dunklen Anzügen. aktuell Ein Ziel, zwei Ansätze Heiner Schanz und Nina Degele diskutieren über die Notwendigkeit einer Frauenquote an der Universität Freiburg Eine Frauenquote könnte die Betonköpfigkeit in männerdominier- ten Führungszirkeln aufbrechen, sagt Nina Degele. Eine Quote behebt nur oberflächliche Symptome, erzielt aber keine nach- haltige Veränderung in den Köpfen, sagt Heiner Schanz. Im Gespräch: Heiner Schanz und Nina Degele. Fotos: Kunz Wir sind ein stark wachsender und innovativer Hersteller tragbarer elektronischer Messgeräte. Wir beschäftigen insgesamt 2300 Mitarbeiter/innen und sind mit 30 Tochterunternehmen in 24 Ländern weltweit vertreten. 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