Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

uni'leben 01-2012

01 2012 unı leben Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg www.leben.uni-freiburg.de 6 Prof. Dr. Volker Mersch-Sundermann und Dr. Evelyn Lamy haben am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Uni versität Freiburg herausgefunden, dass Senfkonsum das Krebsrisi- ko minimieren kann. Die Wirkung von Senf wurde an 14 Probandinnen und Probanden getestet. Die Forscherinnen und Forscher empfehlen beson- ders scharfe Senfsorten. 20 Gramm pro Tag reichen. Holger Lühmann hat die Wissenschaftler zu dem Ergebnis ihrer Studien be- fragt. uni’leben: Herr Mersch-Sunder- mann, haben Sie heute schon einen Esslöffel extrascharfen Senf gegessen? Mersch-Sundermann: Nein, heute noch nicht, aber am letzten Wochen- ende habe ich mindestens zwei da- von genossen. Laut Ihren Studien hilft Senf ge- gen Krebs. Ist dies ein Beleg dafür, dass man Krebs besser mit pflanz- lichen Stoffen bekämpft anstatt mit Chemie? Pauschal lässt sich das nicht sa- gen, aber grundsätzlich können pflanzliche Mittel genauso wirkungs- voll sein wie synthetische. Pflanzen- stoffe sind ja auch Chemie, und viele moderne Medikamente leiten sich von Pflanzenstoffen ab. Allerdings: Die Erkenntnis, dass Senf gut gegen Krebs ist, ist so nicht ganz richtig. Unsere Studien haben nicht auf den Krebs selbst abgezielt, sondern auf Erbgutschäden, die verantwortlich für die Krebsentstehung sein können. Ein direkter Nachweis, dass Senf ge- gen Krebs hilft, ist dies nicht. Was wir aber genau wissen, ist, dass Senf un- sere Zellen gegen Ereignisse schüt- zen kann, die für die Entstehung von Krebs relevant sind. In Ihrer Studie sprechen Sie von 14 Probanden. Ist das nicht eine zu geringe Zahl? Für epidemiologische Untersuchun- gen wären 14 Probanden in der Tat sehr wenig. Für – wie in unserem Fall – kontrollierte Expositionsstudien ist das aber mehr als ausreichend, da wir die meisten Randbedingungen gut kontrollieren können. Wenn Sie in die Originalpublikation hineinschauen, dann sehen Sie, dass mit den 14 Pro- banden, ja eigentlich schon mit sechs Probanden, eine hohe statistische Signifikanz der Ergebnisse erreicht wurde. Und darauf kommt es ja an. Also können Sie sagen, dass Senf eine vorbeugende Wirkung hat? Genau, wir nennen das Chemoprä- vention. Da geht es um Prozesse, die im Körper eine bestimmte schützende Wirkung ausüben. Wir kennen das zum Beispiel vom Tee. Dort sind es die Phenole, die „böse Stoffe“ quasi abfangen. Daneben finden wir che- mopräventive Effekte zum Beispiel bei Vitamin C in Früchten. Beim Senf sind es die so genannten Isothiocya- nate, die man auch unter dem Begriff „Senföle“ kennt. Sie entsorgen Gifte aus dem Organismus. Übrigens sind sie geschmacklich an der Schärfe zu erkennen. Das heißt: Je schärfer, desto mehr Isothiocyanate sind vor- handen. Warum haben Sie ausgerechnet Senf untersucht? Hatten Sie be- reits einen Verdacht? Die krebshemmende Wirkung vie- ler Gemüsesorten aus der Familie der Kreuzblütengewächse, lateinisch Brassicaceae, war uns bekannt. Vie- le dieser Sorten, etwa Kohlrabi oder Weißkohl, enthalten Senföle. Darum haben wir vermutet, dass es genau diese Inhaltsstof- fe sind, die die chemoprä- ventive Wirkung hervorru- fen. Senf hat eine besonders hohe Konzentration an Senfölen, sodass wir hier einen perfekten Analysegegenstand hatten. Mit- entscheidend für die Studie war aber auch, dass ein Senfher- steller das Forschungsprojekt finanziert hat. Die Resultate der Studie waren eindeutig: Weiße Blutzellen von Probanden, die einige Tage übliche Mengen von scharfem Senf konsumiert hatten, waren gegen die erbgutschädigen- de Wirkung krebsauslösender Stof- fe besser geschützt. Wenn Sie von einer Firma un- terstützt werden, die selbst Senf produziert, müssen Sie sich dann nicht den Vorwurf gefallen lassen, befangen zu sein? Nein, das ist ja mittlerweile üb- lich, dass Studien neben staatlichen Drittmittelgebern oft von der Indus- trie finanziert werden. Jeder Wis- senschaftler ist dabei natürlich der Wissenschaft und der Objektivität verpflichtet. Industrielle Drittmittelge- ber müssen also auch mit der Veröf- fentlichung von Forschungsergebnis- sen leben, die sie so vielleicht nicht erwartet oder gewünscht hätten. forschen Je schärfer, desto besser Senfkonsum zur Vorbeugung gegen Krebs Prof. Dr. Jan G. Korvink, Ins- titut für Mikrosystemtechnik und Direktor der FRIAS School of Soft Matter Research der Universität Freiburg, bekommt vom Europä- ischen Forschungsrat einen mit 3,4 Millionen Euro dotierten Advan- ced Grant für grundlagenorientierte Forschung. Mit der auf fünf Jahre angelegten Förderung wird er ge- meinsam mit der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Ralf Baumeister vom Institut für Biologie III, Bioinformatik und Molekulargenetik, und Fellow der FRIAS School of Life Sciences – LifeNet, eine Mikrosystem-Plattform entwickeln. Sie soll es ermöglichen, lebende Fadenwürmer im Kern- spintomografen zu untersuchen und somit neue Perspektiven für die systembiologische Forschung eröffnen. Der unter der Abkürzung C. elegans bekannte Wurm ist ein- fach zu züchten und aufgrund seines durchsichtigen Körpers mit optischen Systemen gut zu beobachten. Da die Forschungsergebnisse auf andere Wirbeltierorganismen und damit auch auf den Menschen übertragbar sind, ist das Tier ein beliebter Model- lorganismus für Entwicklungsbiologie und Genetik. Würmer in der Röhre Die Deutsche Forschungsgemein- schaft fördert mit zehn Millionen Euro für weitere vier Jahre den transre- gionalen Sonderforschungsbereich „Automatic Verification and Analysis of Complex Systems“ (AVACS). Die Universitäten Freiburg, Oldenburg und Saarbrücken sowie das Max-Planck- Institut für Informatik in Saarbrücken tragen den Sonderforschungsbe- reich (SFB/TR 14) gemeinsam. Part- ner ist außerdem die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. Auf Freiburger Seite sind Prof. Dr. Bernd Becker, Rechnerar- chitektur, Prof. Dr. Christoph Scholl, Betriebssysteme, Prof. Dr. Bernd Ne- bel, Künstliche Intelligenz, und Prof. Dr. Andreas Podelski, Softwaretech- nik, beteiligt. Seit Januar 2004 ar- beiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von AVACS daran, Techniken zur mathematisch exak- ten Verifikation und zur Analyse von sicherheitskritischen eingebetteten Systemen, etwa im Transportwesen bei Auto, Eisenbahn und Flugzeug, zu entwickeln. Fehler in solchen Sys- temen können lebensgefährlich sein, weshalb deren Kontrolle und Vermei- dung als besonders wichtig gelten. Millionenförderung für die Sicherheit Gefährliches Alter: Die Midlife-Crisis gibt es in der Literatur schon lange. Ein Berufsfeld mit Zukunft: Was ist Palliative Care? Bollywood in der Karibik: Neue Medien beeinflussen die englische Sprache. Lesen Sie auf Surprising Science: www.surprising-science.de Das Deutsche Volksliedarchiv (DVA), eine Forschungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg zu populärer Kultur und Musik, hat eine neue Adresse. Nach fast 100 Jahren an der Silberbachstraße in Freiburg-Wiehre wurde das Archiv in die Rosastraße 17 – 19 in der Innen- stadt verlegt. Auf etwa 1.000 Quad- ratmetern bietet das DVA neben der Sammlung von populären Liedern auch das 2010 gegründete Deutsche Musicalarchiv sowie ein Internatio- nales Popmusikarchiv, das sich noch im Aufbau befindet. Zudem verfügt das Institut über eine umfangreiche Fachbibliothek. Die alten Räume an der Silberbachstraße, im ehemaligen Wohnhaus des DVA-Gründers John Meier, werden unter Denkmalschutz gestellt. Seit der Gründung im Jahr 1914 dokumentiert und erforscht das DVA populäre Lieder. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bildet die Geschichte des Begriffs „Volkslied“ vom 18. Jahrhundert bis zur Gegen- wart. Deutsches Volksliedarchiv ist in die Innenstadt umgezogen Sex, Sekt, Schlager: Notenheft aus der Sammlung Walter Germann im Deutschen Volksliedarchiv. Foto: DVA Badische Spezialitäten Durchgehend warme Küche INSEL 4 79098 Freiburg, Tel. 0761/35697 Olga & Hans Schmidt www.rauher-mann.de G ASTSTÄTT E Zum rauhen Mann Volker Mersch-Sundermann Foto: EYEWAVE/fotolia