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uni'lernen 2013

RENKLS RATGEBERRENKLS RATGEBERLERNIMPULSE RENKLS RATGEBERLERNIMPULSE Werbung will Menschen suggerieren, dass sie neue Produkte, etwa das aktuellste Smartphone, kaufen sollen. Oft ist der Nutzen gering, die Verführung in der Werbung jedoch umso größer. „Verführung“ ist ein Begriff, der auf den ersten Blick nicht so recht zur Universität passt. Hier geht es schließlich um ernsthafte Dinge wie Erkennt- nisgewinn und die Vermittlung von Fertig- keiten. Gleichwohl zeigt die Forschung, dass manche Dozentinnen und Dozenten – in aller Regel keineswegs in schlechter Absicht – ebenfalls „verführen“. Inwiefern? In einer bekannten, 1973 durchgeführten Studie zeigte ein US-amerikanisches Team von Psychologinnen und Psychologen, dass ein völlig sachunkundiger Schauspieler, der angeleitet worden war, sich in einem Lehrvortrag mit anschließender Diskussion exzessiv zu wiederholen, Fehlschlüsse zu ziehen und irrelevante Abschweifungen ein- zubauen, vom Publikum positiv beurteilt wurde. Der als Wissenschaftler „Dr. Fox“ vorgestellte Schauspieler erreichte dies durch ein enthusiastisches und charisma- tisches Auftreten. Mehr noch: Selbst als die Teilnehmenden darüber aufgeklärt wurden, dass der Vortrag nichts Substanzielles enthielt, wollten viele von ihnen noch mehr über das Thema erfahren. Obgleich diese Arbeit methodisch einige Einschränkungen auf- wies, erbrachten weitere Studien ähnliche Befunde. Der Effekt, dass bei der studen- tischen Bewertung das Auftreten der Lehr- person die didaktische Qualität überlagert, wird „Dr.-Fox-Effekt“ genannt oder auch als „pädagogische Verführung“ bezeichnet. In seiner Kolumne erklärt Prof. Dr. Alexander Renkl, Experte für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie, welchen typischen Fehleinschätzungen Studierende unterliegen, wenn sie Lehrpersonen beurteilen. Werbung verführt – Dozierende machen das nicht. Oder doch? uni'lernen2013 48

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