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uni'wissen 02-2015

und der Psychologie: „In der Informatik und der Mikrosystemtechnik beschäftigen wir uns mit der Entwicklung von Systemen, die Daten erfassen und verwalten können. Das ist für Psychologen als Hilfsmittel für ihre empirische Forschung wichtig. Umgekehrt ist für uns das Fachwissen von Psychologen unverzichtbar, da unsere Sys- teme schließlich für Menschen gebaut werden.“ Zusammen mit dem Universitätsklinikum Dresden arbeitet Van Laerhoven seit 2014 an ei- ner Studie mit 24 Probandinnen und Probanden, die unter bipolaren Störungen leiden und freiwil- lig Tag und Nacht einen Sensor an ihrem Hand- gelenk tragen. Dieser besteht aus einem Akku, Beschleunigungs-, Licht- und Temperatursenso- ren sowie einem Speicher, der 100 Daten je Se- kunde über zwei Wochen hinweg aufzeichnet. Jeden Tag nimmt er circa 25 Millionen Daten auf. Die gespeicherten Arm- und Handbewegungen geben über die tatsächlichen Aktivitäten Auf- schluss, denn selbst Radfahren und Schlafen sind mit charakteristischen Armbewegungen und -haltungen verbunden. „Erstaunlich viele Aktivitä- ten können über typische Handbewegungen er- kannt werden, sodass sich ganze Tagesabläufe nachvollziehen lassen“, erklärt Van Laerhoven. „Yogaübungen sind zum Beispiel sehr gut analy- sierbar, weil sie immer mit bestimmten Armbe- wegungen verbunden ablaufen.“ Und Rauchen zeichne sich durch eine bestimmte Haltung des Handgelenks und eine ebenso typische, sich wiederholende Bewegung aus, mit der die Ziga- rette zum Mund geführt werde. Kombiniert mit den Daten der eingebauten Licht- und Tempera- tursensoren kann die Software ein Aktivitätspro- tokoll für Tag und Nacht erstellen. Lückenlose Aufzeichnung Haben die Patienten den Sensor angezogen, müssen sie sich um nichts mehr kümmern: Sie müssen sie ihn weder ausschalten noch aufladen, da der Akku eine Laufzeit von mehreren Wochen hat. Deshalb entstehen auch – sofern die Proban- den den Sensor nicht zwischendurch ablegen – keine Datenlücken. Die kleine Größe und das uni wissen 02 2015 Mit dem Rad ins Büro, drei Tassen Kaffee am Tag, regelmäßiges Tennisspielen, Yoga zur Entspannung und ruhiger Schlaf in der Nacht – einige Tage später fällt das Sporttraining immer häufiger aus, zum Kaffee werden Zigaretten ge- raucht, und der Schlaf wird länger, aber unruhi- ger: Der Alltag von Patientinnen und Patienten mit bipolaren Störungen kann sich in den Über- gängen zwischen manischen und depressiven Phasen verändern. Für die behandelnden Psy- chologinnen und Psychologen ist das wichtig zu wissen. Eine detaillierte Aufzeichnung der Aktivi- täten der Erkrankten ermöglicht ihnen, diese Übergänge zu analysieren, festzustellen, welche Aktivitäten abgebrochen oder aufgenommen wurden, und ihren Patienten besser zu helfen. Bisher waren die Psychologen auf Tagebuch- einträge der Betroffenen angewiesen, um den Wechsel zwischen den Phasen nachvollziehen zu können. Bei dieser Art der Diagnose und Ana- lyse sind Therapeutinnen und Therapeuten von der Selbstwahrnehmung und der Zuverlässigkeit der Erkrankten abhängig, weshalb es nicht im- mer möglich ist, ein exaktes Aktivitätsprotokoll der zurückliegenden Wochen zu erstellen. Prof. Dr. Kristof Van Laerhoven von der Technischen Fakultät der Universität Freiburg hat eine neue Möglichkeit gefunden, Aktivitäten lückenlos auf- zuzeichnen: Der Informatiker baut mit seinem Team kleine Sensoren, die wie Armbanduhren getra- gen werden und alle Arm- und Handbewegungen aufzeichnen. Eine entsprechend programmierte Software erkennt, welche Bewegungsmuster für welche Aktivitäten stehen, und erstellt eine de- taillierte Wochenübersicht. „Wir wollen damit ein Diagnoseinstrument schaffen, das Psychologen bei ihrer Arbeit unterstützt“, erklärt Van Laerhoven. Für den Freiburger Forscher gibt es einen engen Zusammenhang zwischen seinem Arbeitsbereich Yoga mit tragbarem Sensor: Das kleine Gerät am Arm zeichnet die für diese Aktivität charakteristischen Bewegungsmuster auf. Foto: Thomas Kunz „Erstaunlich viele Aktivitäten können über typische Handbewegungen erkannt werden“ 21 uni wissen 022015

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