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uni'leben 02-2014

02 2014 unı leben Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg www.leben.uni-freiburg.de 9 von Verena Adt Sein Leben böte Stoff für einen Wäl- zer. Doch Ahmad Milad Karimis handliches Buch „Osama bin Laden schläft bei den Fischen“ ist wohl auto- biografisch, aber keine autobiografie. Karimi wurde in Afghanistan geboren. Sein Vater war Rektor der Deutschen Schule in Kabul, die Mutter Zahnärztin. Mit 13 Jahren strandete er als Flücht- ling mit Eltern und Schwester in Mos- kau/russland, ein Jahr später kam die Familie nach Deutschland. Auf das jahrelange Ringen um Integration und Anerkennung folgten ein Philosophie- studium an der Universität Freiburg und schließlich die Berufung zum Professor für Islamwissenschaften in Münster. Diese Lebensetappen dienen als Weg- marken des eigentlichen Buchthemas, das der Autor im Untertitel nennt: „Wa- rum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat“. Sein Glaube ist die Konstante in der bewegten Biografie des 35-Jährigen, der Rainer Maria Rilkes Dichtung eben- so leidenschaftlich liebt wie die des Per- sers Dschalal ad-Din Muhammad Rumi. Der Koran ist Karimi lebenslang ein Halt. Dem Kind im vom Krieg erschüt- terten Kabul bedeutete er Trost und Frieden. Auf der Flucht fand der Junge darin Geborgenheit. In Deutschland wurde der Koran für ihn zum spirituel- len Leitstern und Band zur verlorenen Heimat Afghanistan. Immer wieder weist der Autor auf die hellen Seiten des Islam hin, auf Schön- heit, Liebe und Barmherzigkeit. Den islamischen Terrorismus lehnt er ab: Osama bin Laden ist für ihn kein zum Extremisten gewordener Gotteskämp- fer, sondern ein Verneiner Gottes, da er sich anmaße, als Vollstrecker des göttlichen Willens aufzutreten. Gleich- wohl macht Karimi es sich nicht so leicht, den Terroristenführer auf einen anderen zivilisatorischen Planeten zu verbannen. „Osama bin Laden ist das Böse in mir“, schreibt er. Am 11. Sep- tember 2001, als Al-Kaida-Terroristen dafür sorgten, dass die Welt aus den Fugen geriet, beschloss Karimi, Islam- wissenschaften zu studieren. In dem diffusen Unbehagen, das Mit- bürgerinnen und Mitbürger muslimischen Glaubens nicht erst seit jenen Anschlä- gen bei vielen Nichtmuslimen auslösen, wirkt Karimis Stimme auf wohltuende Weise klärend. Weil da einer spricht, der sich unmissverständlich zum Islam be- kennt, aber eben nicht mit hasserfüllter Dschihadisten-Rhetorik Andersdenken- de verteufelt. Karimi, der Elektrotechnik lernte, bevor er Philosophie studierte, ist einer aus der Mitte der Gesellschaft, einer von etwa vier Millionen Muslimen in Deutschland. Grund genug, genauer hinzuschauen. Sein gut gegliedertes und sehr lesbares Buch bietet sich hierfür an. Leserinnen und Leser sollten übri- gens sattelfest in Mafia-Filmen sein und namentlich die Verfilmung von ma- rio Puzos Epos „Der Pate“ mit Marlon Brando in der Rolle des Don corleone kennen. Karimi zitiert immer wieder Sätze und Szenen aus diesem Film, um seine Analysen und Schlussfolge- rungen anschaulich zu machen. In „Der Pate“ geht es um große Themen wie Gefolgschaft, Gerechtigkeit, Sühne und Vergebung – genau wie im Glauben. Am 30. Juni und 1. Juli 2014 wäh- len die Beschäftigten der Universi- tät Freiburg den neuen Personalrat. Nicolas Scherger hat den Vorsit- zenden Werner Beiser und dessen Stellvertreter Dr. Helmut Waller nach ihrer Bilanz der vergangenen Jahre und den Zielen für die Zukunft gefragt. uni’leben: Herr Beiser, Herr Wal- ler, was hat der Personalrat in der ablaufenden Amtszeit erreicht? Werner Beiser: Um einige Erfol- ge zu nennen: Der Leitbildprozess für die zentrale Verwaltung ist angesto- ßen. Mitarbeitergespräche und Schu- lungen für Führungskräfte haben im Rektorat, im Rechenzentrum und in der Universitätsbibliothek begonnen. Viele Beschäftigte profitieren von der neuen Entgeltordnung, und es gibt be- schleunigte Stufenaufstiege, um gute Leistungen zu honorieren. Helmut Waller: Der Struktur- und Entwicklungsplan war ebenfalls positiv, weil alle wesentlichen Gruppen betei- ligt waren. Von uns kam zum Beispiel die Formulierung, dass die Universität die Möglichkeiten, die der Tarifvertrag bietet, im Sinne der Beschäftigten nutzt. Grundsätzlich gilt: An einigen Hochschulen ist das Rektorat für Per- sonalräte das Feindbild – und umge- kehrt. Das ist hier nicht so. Vielleicht ist das Verhältnis zu harmonisch. Waller: Was ist die Alternative? Frü- her waren Personalversammlungen für manche dann gut, wenn man sich angeschrien hat. Das hatte Unterhal- tungswert, kann aber nicht Ziel sein. Wir wollen informieren, und uns ist wichtig, dass alle Rektoratsmitglieder regelmäßig teilnehmen und Fragen beantworten. Auf Schmusekurs sind wir aber nicht. Beiser: Wir haben durchaus Streit- themen. Der Rektor sagt, die Univer- sität will der attraktivste Arbeitgeber in Südbaden werden. Das greifen wir gerne auf, wenn es zum Beispiel um sachgrundlose Befristungen geht, von denen es aus unserer Sicht zu viele gibt. Solche Auseinandersetzungen tragen wir aber nicht öffentlich aus. In den internen Sitzungen mit dem Rek- torat prallen durchaus unterschiedliche Auffassungen aufeinander. Es gelingt uns aber meist, Meinungsverschie- denheiten in eine positive Richtung zu wenden – als Ergebnis der vertrauens- vollen Zusammenarbeit mit einer Lei- tung, die im Sinne der Beschäftigten etwas verbessern will. Wo besteht Handlungsbedarf? Waller: Die Zahl der Beratungen in Konflikten hat zugenommen. Dabei geht es zum einen um Spannungen mit Kolleginnen und Kollegen im engeren Arbeitsumfeld. Zum anderen haben die Umstrukturierungen im letzten Rektorat viel Unruhe in die zentrale Verwaltung gebracht. Wir hoffen, dass das neue Rektorat nicht in diesem Eiltempo wei- termacht. Bei manchen Neuberufungen geraten ebenfalls ganze Abteilungen und Institute in Aufruhr. Entscheidend ist oft das Gefühl, vor vollendete Tat- sachen gestellt zu werden. Deshalb werben wir dafür, Beschäftigte früh- zeitig an Veränderungsprozessen zu beteiligen. Beiser: Hinzu kommt die wachsen- de Arbeitsbelastung. Führungskräf- te sollten nicht akzeptieren, dass in ganzen Abteilungen die Aufgaben nur zu erledigen sind, wenn viele Beschäftigte Überstunden machen. Wenn die Universität das Geld nicht hat, um diese Teams zu verstärken, müssen eben Aufgaben wegfallen. In den vergangenen Jahren gab es Burnout-Fälle bis in die oberste Führungsebene. Es kann jeden erwi- schen. Aus unserer Sicht muss sich an der Unternehmenskultur durchaus noch einiges ändern. Ein Stichwort heißt Entschleunigung. Was haben Sie sich für die kom- menden Jahre vorgenommen? Beiser: Wir wollen Projekte wie die Einführung von SAP oder der cam- pusmanagement-Software HisInOne begleiten sowie Führungskräfteschu- lungen und Mitarbeitergespräche auf die Fakultäten ausweiten. Der Per- sonalrat wird in einem Wirtschafts- ausschuss erstmals Einblick in die finanziellen entscheidungen der uni- versität bekommen. Wir wollen einen internen Arbeitsmarkt testen: Wenn Kolleginnen und Kollegen befristet beschäftigt sind oder in Teilzeit arbei- ten und aufstocken möchten, vermit- telt die Personalabteilung sie weiter, sodass man Stellen möglicherweise nicht ausschreiben muss. Intern steht uns eine Alterszäsur bevor. Wir müs- sen dafür sorgen, dass das Know-how auf neue Kräfte übergeht. Zudem wol- len wir in Fakultäten und dezentralen Einrichtungen präsenter sein. kompass Personalrat und Rektorat gelingt es meist, Meinungsverschiedenheiten in eine positive Richtung zu wenden, berichten Werner Beiser (rechts) und Helmut Waller. FOTO: THOMAS KUNZ Ahmad Milad Karimi: Osama bin Laden schläft bei den Fischen. Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat. Herder, Freiburg 2013. 192 Seiten, 17,99 Euro. Der Muslim und der Pate Ahmad Milad Karimi erklärt, was ihm der Islam bedeutet – und was der Schauspieler Marlon Brando damit zu tun hat Dialog, aber kein Schmusekurs Werner Beiser und Helmut Waller setzen auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Personalrat und Rektorat Personalratswahl am 30. Juni und 1. Juli 2014 findet die Personalratswahl statt. Aufgabe des Gremiums ist es, die Interessen der circa 7.700 Beschäftigten der Univer- sität zu vertreten. Ausgenommen sind Professorinnen und Professoren sowie Rektoratsmitglieder. Wahlberechtigt sind alle, für die der Personalrat zu- ständig ist. Dem Gremium gehören voraussichtlich 22 Angestellte sowie drei Beamtinnen und Beamte an. Die Amtsperiode der künftigen Personal- rätinnen und -räte beträgt erstmals fünf statt wie bisher vier Jahre. Wer selbst kandidieren möchte, kann sich beim Personalrat melden. www.personalrat.uni-freiburg.de Kurse am Zentrum für Schlüsselquali- fikationen belegen das Zentrum für Schlüsselqualifika- tionen (ZfS) der Universität Freiburg bietet Studierenden im Sommerse- mester 2014 ein breit gefächertes Programm. Die Online-Belegung für Bachelor- und Jurastudierende so- wie Studierende des modularisierten Lehramtsstudiengangs startete am 7. April 2014. Die Restplatzvergabe für alle an der Albert-Ludwigs-Universität eingeschriebenen Studierenden läuft ab dem 23. April. Im Programm sind mehr als 200 Module zu „Berufsfeld- orientierten Kompetenzen“ (BOK) in Management, Medien, Kommunikation, elektronischer Datenverarbeitung und Fremdsprachen. Zudem umfasst das „Modul Personale Kompetenz“ (MPK) für Lehramtsstudierende im Sommer- semester eine Überblicksvorlesung und 18 praxisorientierte Lehrveranstaltungen. www.zfs.uni-freiburg.de Wir freuen uns über Ihre Meinung, Kritik und Ideen. Die Redaktion behält sich vor, Ihre Zuschrift gegebenen- falls in gekürzter Form als Leserbrief zu veröffentlichen. Schreiben Sieʼs uns. Ihre Meinung ist gefragt! unileben@pr.uni-freiburg.de

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