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uni'leben 03-2012

03 2012 unı leben Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg www.leben.uni-freiburg.de 9kompass Ein eigener Status für Promovierende Die Initiative ProDoc will die Situation von Doktoranden verbessern Die Dinge tief in der Seele Der Freiburger Germanist Uwe Pörksen beschreibt die Lebensgeschichte einer deutsch-dänischen Familie im 20. Jahrhundert von Julia Nikschick Ein Foto. Sechs Menschen. Mehr be- nötigt Uwe Pörksen nicht, um die Geschichte einer Familie auf Papier zu bannen. Mit seinem Roman „Riß durchs Festland“ beschreibt der Ger- manistikprofessor die Lebensgeschich- te der Familie Prahl aus Eckernförde in Schleswig-Holstein, hoch im Norden Deutschlands. Alles beginnt im Jahr 1930 mit dem sprichwörtlich schönsten Tag im Leben – der Hochzeit. Patriarch Hans Schlaiker Prahl feiert mit seiner Frau Gönke goldene Hochzeit, Tochter Hedwig mit ihrem Mann Heinz die sil- berne, und Enkelin Schlossel wird von ihrem Verlobten Friedrich endlich zum Traualtar geführt. Mit der Detailverliebt- heit eines Wissenschaftlers nähert sich der Autor seinen Protagonistinnen und Protagonisten immer weiter an, ihrer familiären Vertrautheit und den wach- senden inneren Konflikten, die der aufkeimende deutsche Nationalismus heraufbeschwört. 1930, ein Jahr nach dem Schwar- zen Freitag, dem Börsenkrach an der Wall Street: Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen, der Reichs- tag ist aufgelöst. Familie Prahl lebt im Zwiespalt zwischen nationalem Patriotismus, forciert durch die wach- sende Macht der Nationalsozialisten, und der sonntäglichen Predigt, die zu Nächstenliebe und Toleranz auf- ruft. „Riß durchs Festland“ ist nicht nur eine Generationenchronik, der Roman schlägt auch geschichtlich eine Brücke zwischen Deutschland und Dänemark in den Jahren von 1848 bis 1930. In Rückblenden erzählt der Autor von fünf blutigen Kriegen, die den Patri- archen und Pastor Hans Prahl zwan- gen, siebenmal die Staatsbürgerschaft zu wechseln. Deutsche und dänische Kultur prägen die Familie Prahl, doch das nationale Fieber droht sie und ihr Umfeld zu zerreißen: deutsch oder dänisch? Uwe Pörksen lotet die Nuancen zwi- schen den beiden Polen dieses „Ent- weder-oder“ aus. Den Zwiespalt macht der Autor über das Verhältnis der Pro- tagonisten zu ihrer Sprache und Kultur greifbar. So hört die Familie deutsche Komponisten wie Johann Sebastian Bach, verfällt in Gesprächen jedoch immer wieder in die dänische Spra- che. Den Rahmen der Geschichte bil- den, wie bei einem Theaterstück, das Vor- und das Nachspiel, welche zeitlich nur zwei Tage behandeln: den Tag der Hochzeit selbst sowie den darauffol- genden Tag, an dem die Familie die Nachricht erreicht, dass der geliebte Großvater in der Nacht verstorben ist. Die drei Kapitel des Romans erzählen, zwischen Gegenwart und Vergangen- heit hin- und herspringend, die Ge- schichte einer Familie zwischen den Mühlsteinen der Epochen. Pörksen knüpft mit seinen Rückblenden ein engmaschiges Netz, das den Leser manches Mal vor Herausforderungen stellt, nicht zuletzt wegen der häufig wechselnden Erzählperspektive und der vielen Charaktere. Wortungetüme tauchen im Roman nicht auf. Reale Ungetüme hingegen werden wortgewandt geschildert: Ei- nen Auftritt Adolf Hitlers beschreibt Pörksen, ohne auch nur ein einzi- ges Mal dessen Namen zu nennen. Nur seine genaue Schilderung der Geschehnisse bringt dem Leser die Geschichte nahe. Einziger Wermuts- tropfen: Uwe Pörksen steigt strecken- weise zu unvermittelt in die Familien- geschichte ein. Vielleicht rührt dies daher, dass alle drei Paare seiner eigenen Familiengeschichte entstam- men: Pastor Prahl ist sein Urgroßvater, das frisch vermählte Ehepaar Schlos- sel und Friedrich sind seine Eltern. Am Ende bleibt ein fein gezeichnetes Bild der deutsch-dänischen Geschichte – und eine fulminante Familienchronik. Uwe Pörksen: Riß durchs Festland. Boyens Buchverlag, Heide 2011, 512 Seiten, 24,00 Euro. Impressum uni'leben, die Zeitung der Universität Freiburg, erscheint sechs Mal jährlich. Herausgeber Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Rektor, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer Verantwortlich für den Inhalt: Rudolf-Werner Dreier, Leiter Öffentlichkeits- arbeit und Beziehungsmanagement Redaktion Eva Opitz (Redaktionsleitung), Rimma Gerenstein, Nicolas Scherger Anschrift der Redaktion Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Albert-Ludwigs-Universität Fahnenbergplatz 79085 Freiburg Telefon 0761/203-4301 Fax 0761/203-4278 E-Mail: unileben@pr.uni-freiburg.de Auflage 20.000 Exemplare Fotos Soweit nicht anders gekennzeichnet, von der Universität Konzeption, Gestaltung, Herstellung qu-ınt. | marken | medien | kommunikation Alter Zollhof, Freiburg www.qu-int.com Projektleitung, Anzeigen Daniel Adler, qu-int Telefon 0761/28288-16 Fax 0761/28288-69 uni-publikationen@qu-int.com Druck und Verarbeitung Freiburger Druck GmbH & Co. KG Vertrieb Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Beziehungsmanagement Jahresabonnement Euro 9,– ISSN 0947-1251 © Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch aus- zugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Texte geben nicht unbedingt die Meinung des Verlags oder der Redaktion wieder. uni’leben erscheint online unter www.leben.uni-freiburg.de klimaneutral gedruckt Die CO2-Emissionen dieses Produkts wurden durch CO2-Emissions- zertifikate ausgeglichen. Zertifikatsnummer: 311-53210-0310-1003 www.climatepartner.com klimaneutral gedruckt Die CO2-Emissionen dieses Produkts wurden durch CO2-Emissions- zertifikate ausgeglichen. Zertifikatsnummer: 311-53210-0310-1003 www.climatepartner.com klimaneutral gedruckt Die CO2-Emissionen dieses Produkts wurden durch CO2-Emissions- zertifikate ausgeglichen. Zertifikatsnummer: 311-53210-0310-1003 www.climatepartner.com OMNIPRINT GmbH Gewerbestr. 106 79194 Gundelfingen Telefon 0761/59238-0 Fax 0761/59238-23 info@omniprint.de www.omniprint.de OMNIPRINTShop Eisenbahnstr. 64 79098 Freiburg Telefon 0761/72407 Fax 0761/73312 shop@omniprint.de www.omniprint.de Magister- und Diplomarbeiten Dissertationen • Bindungen Farbkopien • SW-Kopien Plakate • Poster • Bildplots Handzettel • Flyer Visitenkarten von Franziska Richter Promovierende leisten einen wichti- gen Beitrag zu Forschung und Leh- re an Universitäten. Doch sie bilden keine einheitliche Gruppe. Deshalb haben sie in universitären Gremien keine Stimme. Promovierende fallen als Studie- rende oder als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedene Statusgruppen. Exter- ne Doktorandinnen und Doktoranden gehören der Universität nicht an. Für sie war es bis zur Registrierung von Promovierenden an der Universität Freiburg im Jahr 2010 beispielsweise schwierig, Zugang zur Bibliothek zu erhalten. „Die waren zwar hier, hat- ten aber theoretisch kein Recht, an der Universität zu sein“, sagt Andreas Hartmann, Doktorand an der Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften und Mitbegründer der Initiative ProDoc. Wer sich mit Ersparnissen oder mit Un- terstützung der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners selbst finanziert, gilt zudem als arbeitssuchend. Solche Doktoranden sowie Stipendiatinnen und Stipendiaten fallen bei den Kran- kenversicherungen unter den Status „freiwillig versichert“. Sie werden wie Unternehmer behandelt und müssen hohe Beiträge entrichten. Ansprechpartnerin und Vermittlerin Das Ziel der aktuell 18 Mitglieder von ProDoc ist es, eine selbst ver- waltete Vertretung für Promovierende aufzubauen, die bei wichtigen Themen als Ansprechpartnerin und Vermittlerin dienen soll. Kurzfristig konzentriert sich ProDoc darauf, die Doktoranden besser zu vernetzen, damit sie un- tereinander kommunizieren können. „Zwischen den Promovierenden der Fakultäten gab es bislang überhaupt keinen Kontakt“, erklärt Hartmann. Kommunikation sei nur innerhalb von Graduiertenschulen möglich gewe- sen. Promovierende außerhalb solcher Strukturen seien nicht zu erreichen gewesen. ProDoc setzt sich für einen Ansprechpartner im Rektorat, Räume für Versammlungen und einen Inter- netauftritt ein. „Wir haben Ideen, um die Situation von Promovierenden zu verbessern – zum Beispiel mit einem Willkommenspaket mit wichtigen Do- kumenten und Kontaktdaten von An- laufstellen“, sagt Hartmann. Um den sozialrechtlichen Status, die Mitbestimmung sowie die statistische Erfassung zu regeln, engagiert sich ProDoc dafür, dass Promovierende einen eigenen Status erhalten. Dazu ist es nötig, das Landeshochschulge- setz zu ändern. „Ob der Status kommt, hängt an der Landesregierung“, sagt Hartmann. Doch diese halte sich be- deckt. Um das Problem zu lösen, den- ke sie darüber nach, die Externen den Studierenden oder den wissenschaft- lichen Mitarbeitern zuzuordnen. Sie befürchte, dass sonst andere Gruppen ebenfalls Forderungen stellen könnten. „Ich bin der Meinung, dass diese Sor- ge unbegründet ist“, sagt Hartmann. „Die Promovierenden unterscheiden sich durch ihre spezielle Situation und ihre große Zahl von anderen Grup- pen ohne Status.“ Mit mehr als 2.500 Personen sind sie eine der größten Gruppen an der Universität Freiburg. Unterschriften sammeln, auf Probleme hinweisen Um ihre Ziele zu erreichen, unter- stützt ProDoc den offenen Brief der Promovierenden-Initiative an die Lan- desregierung. In der Promovierenden- Initiative haben sich Stipendiaten der Promotionsförderung aller großen deutschen Begabtenförderwerke zu- sammengeschlossen. In dem Schrei- ben weist die Initiative auf die Prob- leme hin und sammelt Unterschriften. Die Doktoranden von ProDoc profitie- ren von der Debatte um die Qualität von Promotionen, die die Plagiatsaf- fären ausgelöst hatten. Um sich an ihr zu beteiligen, fehlt ihnen jedoch eine Stimme. „Es ist frustrierend, wie Promovierende von außen gesehen werden“, sagt Hartmann. „Wir sitzen nicht in unserem Kämmerchen und schreiben ab.“ Promovierende betreuen Die Albert-Ludwigs-Universität will das Programm der bisherigen Inter- nationalen Graduiertenakademie (IGA), die als Servicestelle für Fra- gen rund um die Promotion dient, zu einem Gesamtkonzept zur Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuch- ses weiterentwickeln. Dies geht aus dem Zukunftskonzept „Freiräume für die Forschung“ der Universität hervor. Ihm zufolge sollen die erfolgreichen Serviceelemente der IGA ausgebaut, in das neue Konzept integriert und die Promovierenden als Statusgrup- pe gestärkt werden. Auch sollen Möglichkeiten geschaffen werden, die Wissenschaftlerinnen und Wis- senschaftler in der Postdoc-Phase zu unterstützen. Als zentrale Anlaufstel- le für alle nicht fachbezogenen Fra- gen des akademischen Nachwuch- ses, etwa zu Stipendien, Drittmitteln oder Weiterbildung, werden die Frei- burg Academic Coaching, Training and Services (FACTS) eingerichtet. Andreas Hartmann ist Mitbegründer der Initiative ProDoc.

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