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uni'wissen 02-2013

Prof. Dr. Elisabeth Cheauré hat in Österreich und Russland Germanistik, Philosophie und Slavistik studiert. 1977 wurde sie an der Universität Graz pro- moviert, 1986 legte sie dort ihre Habilitation über die Künstlererzählung im russi- schen Realismus vor. Seit 1990 hat sie die Professur für Slavische Philologie an der Universität Freiburg inne. Im Laufe ihrer Karriere hatte Cheauré Lehraufträge in Russland, Bulgarien, Spanien und der Schweiz. Derzeit leitet sie das von der Deutschen Forschungsge- meinschaft geförderte Pro- jekt „Napoleon, Borodino und der Vaterländische Krieg: Zur Popularisierung im Kontext nationaler Iden- titätsfindung in Russland“. Ihre Forschungsschwer- punkte sind unter anderem Gender Studies, Identitäts- und Alteritätsforschung, Kulturtransferforschung, Area Studies Russland sowie Kulturen der Muße. Foto: Marie-Elisabeth Weiher Zum Weiterlesen Cheauré,­E./Nohejl,­R./Napp,­A.­(Hrsg.)­(2005):­Vater­Rhein­ und Mutter Wolga. Diskurse um Nation und Gender in Deutschland und Russland. Würzburg. Deutsche­Gesellschaft­für­Osteuropakunde­(Hrsg.)­(2013):­Mythos­ Erinnerung.­Russland­und­das­Jahr­1812.­Berlin­(=­Osteuropa­63/1). Nohejl,­R./Gorfi­nkel,­O./Carl,­F./Cheauré,­E.­(Hrsg.)­(2013):­ Genderdiskurse und nationale Identität in Russland. München. später­protestieren­die­Pussy-Riot-Musikerinnen­ an dieser Stelle gegen Putin. Etwa 80 Jahre zu- vor hatten die Sowjets die Kirche niedergerissen; sie wollten einen Wolkenkratzer zum Ruhm der Revolution errichten, scheiterten aber und bau- ten­stattdessen­ein­Freibad.­Erst­in­den­1990er­ Jahren starteten Bürgerinnen und Bürger eine Initiative und sammelten Geld für den Wieder- aufbau der Kirche. „Dieser Ort spielt eine un- glaublich wichtige Rolle für Russland“, betont Cheauré.­„Die­Kathedrale­symbolisiert­nicht­nur­ das neue Selbstbewusstsein innerhalb Europas, sondern­auch­die­neue­Zeit,­eine­Synthese­zwi- schen Orthodoxie und Staat.“ Diese Dimension haben die Forscherinnen in der­Berichterstattung­über­den­Pussy-Riot-Skan- dal vermisst. „Natürlich ist das Urteil völlig unan- gemessen. Aber wir hätten von den westeuropäischen Medien und Politikern mehr Reflexion erwartet.“ Schließlich sei der Auftritt ein Fundamentalangriff auf das Staatsmodell gewesen, das sich auf ein uraltes Muster stütze –­die­Einheit­von­Gott,­Herrscher­und­Volk.­Auch­ Putin spiele mit bekannten Sinnbildern: Wenn der Ministerpräsident mit muskulösem Oberkör- per auf einem Pferd sitzt, das Jagdgewehr in die Luft streckt, in einem Ultraleichtflugzeug ver- waisten Kranichen den Weg nach Süden zeigt oder flauschige Welpen an die Wange drückt, inszeniert er sich als Aggressionsmaschine und Naturbursche, als Macho und Mutterfigur zu- gleich. „Auf uns wirken diese Bilder so, als wäre Putin eine Karikatur des Westens“, sagt Nohejl. „Doch dahinter steckt auch ein traditionelles Herrschaftsverständnis. Putin spielt lediglich mit bestimmten Rollenbildern, die auch Westeuro- päerinnen und Westeuropäer erkennen.“ „Das vermeintlich unterentwickelte Volk, das Deutschland und Frankreich hinterherhinkt, wird zum Retter Europas“ Dr. Regine Nohejl hat an den Universitäten Freiburg und Tübingen sowie in Russland und Tschechien Slavistik, Osteuropäische Geschichte und Soziologie studiert. Zwischen 1985 und 1997 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Slavischen Seminar der Universität Tübingen. 1998 wechselte sie als Lehrbeauftragte für Literaturwissenschaft und Ostslavistik an die Universi- tät Freiburg, wo sie 2007 ihre Dissertation über die Spezifik von Identitäts- und Alteritätsdiskursen in Russland vorlegte. Seit 2011 ist Nohejl Mitarbeiterin im Projekt „Napoleon, Borodino und der Vater- ländische Krieg: Zur Popu- larisierung im Kontext nationaler Identitätsfindung in Russland“. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Gender Studies, Identitäts- und Alteritätsforschung sowie russische Kultur- und Geistesgeschichte vom 18. Jahrhundert bis heute. Foto: Viktoria Gräser 31

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