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uni'wissen 01-2015

Prof. Dr. Ingo Krossing ist seit 2006 Direktor des Instituts für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg. Dort- hin kam er nach Forschungs- und Lehraufenthalten in Kanada, Karlsruhe und Lausanne/Schweiz. Davor studierte er in München Chemie. Schon während er seine Doktorarbeit und Habilitation verfasste, erhielt er Stipendien, und seine Forschung wurde mehrfach mit Preisen be- dacht. Krossing ist unter anderem stellvertretender Vorstand der Wöhler- Vereinigung für Anorganische Chemie, seit 2011 wissen- schaftlicher Leiter der Frei- burg Academy of Science and Technology (FAST) und war Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS). Im Mittelpunkt seiner Forschungsinteressen stehen ionische Systeme einschließlich schwach koordinierender Anionen. Foto: Sandra Meyndt Flusssäure bekannt. Sie entsteht bei vielen Reaktionen von Fluor- verbindungen. „Wenn Sie sich eine Hautstelle von zehn mal zehn Zen- timetern mit Fluorwasserstoff verätzen und sich nicht behan- deln lassen, sind Sie nach drei Tagen tot“, sagt Krossing. Verätzt Flusssäure Glas, wird dessen Oberfläche schön matt, was etwa bei Sektflaschen beliebt ist. Andere Fluorverbindungen schädigen die Ozonschicht, verstärken den Treib- hauseffekt oder setzen extrem giftige Substanzen frei, sobald sie in Brand gera- ten. Nicht zuletzt neigt der chemische Temperamentsbolzen zu heftigen Reaktionen. Darum schlagen Sen- soren sofort optisch und akustisch Alarm, falls doch einmal Fluor oder Fluorwasserstoff austreten sollte. „Wir haben das Fluorlabor nach den neusten Sicher- heitsrichtlinien aufgebaut“, hebt Krossing hervor. Parallel arbeitet er gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Woias, Professur für die Konstruktion von Mikro- systemen am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, an Mikroreaktoren. Das sind zweimal zwei Zentimeter große Chips mit winzi- gen Vertiefungen für chemische Reaktionen. Partner in der Wirtschaft Das Ziel aller Experimente sind frische Fluor- verbindungen, mit denen Lithium-Ionen-Batterien länger leben, bessere Anionen und Kationen, neue Initiatoren und Katalysatoren. Letztere starten Reaktionen oder treiben sie an – bei der industriel- len Herstellung von Kunststoffen, Schmiermitteln, Farbstoffen, Beschichtungen und anderen Pro- dukten. Krossing hat einige derartige Prozesse verbessert und ihren ökologischen Fußabdruck verkleinert. Zu seinen vielen Partnern zählen die Chemiekonzerne Solvay, Merck, das Medizin- und Sicherheitstech- nikunternehmen Dräger und IoLiTec, ein Start-up, das 2002 im Start-up-Labor des Bio- TechParks Freiburg loslegte und ionische Flüssigkeiten herstellt. Krossing verfügt über einen der begehrten Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats; die Finanzierung läuft noch bis 2017. Die „Protoelektrische Potenzial- karte“, deren Erstellung er mit ei- nem Teil des Geldes finanziert hat, sorgte in Fachkreisen für Aufsehen. Zudem hofft Krossing, neue Fluorierungs- methoden zu entdecken – auch des Wissens wegen: Seine größten For- scherträume bewegen sich abseits der Anwendung. „Ich will über chemische Grenzen hinausgehen“, sagt er. Ihm schweben gänzlich neuartige Verbindungen vor. Im Projekt „Antisalze“, das die Deutsche Forschungsgemein- schaft fördert, möchte er erstmals Kationen mit Teflon verpacken. Auch reizt es Krossing, woan- ders bislang Unmögliches zu schaffen. „Fluor ist das reaktivste Element, das herumläuft“, sagt er: Nahezu alle Elemente und Substanzen gehen Bin- dungen mit Fluor ein. Einzig die Edelgase Helium und Neon verweigern sich. Diesen Zustand würde Ingo Krossing gern beenden. Klingt nobelpreis- verdächtig? Die Vorzeichen stehen gut: Fünf der Otto-Klung-Weberbank-Preisträger vor ihm er- hielten später erfreuliche Anrufe vom norwegi- schen Preiskomitee. http://portal.uni-freiburg.de/molchem/research/ f2-lab uni wissen 01 2015 Zum Weiterlesen Radtke, V. / Himmel, D. / Pütz, K. / Goll, S. K. / Krossing, I. (2014): The protoelectric potential map (PPM): an absolute two-dimensional chemical potential scale for a global understanding of chemistry. In: Chemistry – A European Journal 20/15, S. 4194–4211. DOI: 10.1002/chem.201302473 Hill, M. / Baron, P. / Cobry, K. / Goll, S. K. / Lang, P. / Knapp, C. / Scherer, H. / Woias, P. / Zhang, P. C. / Krossing, I. (2013): Direct fluorination of cyclic carbonates and closo-K2 [B12 H12 ] in a slug-flow ministructured reactor. In: ChemPlusChem 78/4, S. 292–301. DOI: 10.1002/cplu.201200267 Lang, P. / Hill, M. / Krossing, I. / Woias, P. (2012): Multiphase minireactor system for direct fluorination of ethylene carbonate. In: Chemical Engineering Journal 179/1, S. 330–337. DOI: 10.1016/j.cej.2011.11.015 d gera- he n r e Zude m W s b- iftige d gera F ne sorgteera- sorgte Zud e n- zt n wa he einen de Eu ei des E 42 Fluor ist vielseitig einsetzbar: Es steckt beispielsweise in Akkus und Batterien, aber auch in Zahnpasta und in jedem zweiten Wirkstoff, der für die Humanmedizin zugelassen wird. Fotos: Oleksiy Mark, Dreaming Andy, WoGi, by-studio (alle Fotolia) uni wissen 012015

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