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uni'alumni 2014

26 Dank der Fortschritte der modernen Medizin werden die Menschen deutlich älter, und selbst unheilbar Kranke leben länger. Damit ihr letzter Lebensabschnitt nicht zur Qual wird, über­ nehmen Ärztinnen und Ärzte der Palliativmedizin die Versorgung, lindern Schmerzen, geben seeli­ schen Halt und Unterstützung. Am Universitäts­ klinikum Freiburg wurden 2006 eine Palliativstation mit Konsiliardienst für alle bettenführenden Klinik­ abteilungen und 2012 der erste Lehrstuhl für Pallia­ tivmedizin in Baden­Württemberg eingerichtet. Prof. Dr. Gerhild Becker, Lehrstuhlinhaberin und Ärztliche Direktorin der jetzigen Klinik für Palliativ­ medizin, hat die Konzeption entwickelt. „Von Anfang an ging es mir darum, die Medizin mit den Geisteswissenschaften zu verbinden und Brücken zwischen den Disziplinen zu bauen“, sagt die Fach­ ärztin für Innere Medizin. Theologie mit Medizin – und umgekehrt Dass sie für diese Aufbauarbeit wie geschaffen war, zeigt schon ihre Biografie: Geboren 1962 in einem kleinen Dorf nahe der dänischen Grenze, ging Becker nach dem Abitur in Flensburg an die kirchliche Hochschule in Bielefeld­Bethel und an die Universität Tübingen, legte das kirchliche Exa­ men in Kiel und die staatliche Diplomprüfung in Hamburg ab. „Die Theologie hatte es mir angetan. Ich wollte wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen.“ Doch Pfarrerin zu sein reichte ihr nicht. Sie studierte parallel Humanmedizin und legte ihr medizinisches Examen in Freiburg ab, um sich sogleich wieder der Theologie zuzuwenden, dies­ mal den katholischen Caritaswissenschaften. „Ich wollte wissen, wie Theologie ganz konkret funktio­ niert.“ Als ob das nicht schon für eine beachtliche Karriere gereicht hätte, machte sie noch den Master of Palliative Care am King’s College in London/England; hinzu kamen Studienaufenthalte in den USA – an der Harvard Medical School und am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York. Umtriebig wäre vermutlich noch eine zu schwache Charakterisierung der Palliativmedi­ zinerin. Dass sie dennoch zur Ruhe kommt, verdankt sie der Gabe, Aktives und Kontemplatives nebeneinander bestehen zu lassen. „Ich kann wäh­ rend der Arbeit Kraft aufnehmen, zuhören und alles auf mich wirken lassen, ohne in Aktionismus zu verfallen.“ Palliativmedizin ist Teamarbeit Stolz ist sie auf den von ihr konzipierten berufs­ begleitenden Online­Studiengang „Palliative Care“, in dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen international gültigen Masterabschluss erwerben. Er richtet sich an etablierte Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen, Klinikseelsorger oder besonders gut ausgebildete Pflegekräfte. „Palliativmedizin findet immer im Team statt“, sagt Becker. „Zudem bin ich gerne und ganz bewusst Hochschullehrerin.“ Es mache sie glücklich, gemeinsam mit Studierenden nach Wahrheiten zu suchen, Dinge infrage zu stel­ len und neue Wege zu gehen. Da erscheint es nur folgerichtig, dass das neue baden­württembergi­ sche Kompetenzzentrum Palliative Care – eine bundesweit einmalige Einrichtung – an der Freibur­ ger Klinik angesiedelt ist. Sprecherin ist Prof. Dr. med. Gerhild Becker, Diplom­Theologin und Diplom­Caritaswissenschaftlerin. Eva Opitz Internistin, Palliativmedizinerin, Caritaswissenschaftlerin, evangelische Pfarrerin im Ehrenamt: Gerhild Becker ist der Prototyp einer transdisziplinär arbeitenden Wissenschaftlerin. Foto: Universitätsklinikum Freiburg PORTRäT Brücken zwischen den Disziplinen bauen Gerhild Becker forscht und lehrt auf dem noch jungen Gebiet der Palliativmedizin

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