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uni'wissen 01-2013

Stroms werden in der Gemeinde aus erneuerbaren Energien gewonnen. Die Förderung der E­Mobilität mit einer Schnellladestation und dem Verleih elektrisch betriebener Autos sowie der Ausbau der schon existierenden Nahwärmeversorgung über das zentrale Hackschnitzelheizwerk gehören zu den nächsten Projekten. Mit all diesen Aktivitäten ist zwar auch das Ziel verbunden, den Energieverbrauch zu redu­ zieren, um eine komplette Selbstversorgung zu ermöglichen. Fakt ist jedoch, dass der Verbrauch nicht gesenkt werden konnte. Das brachte die Wissenschaftler auf die Idee, die Lebensweise der Bevölkerung als relevantes Kriterium mit unter die Lupe zu nehmen. Statt das Auto zu wechseln und Biogas zu tanken, wäre es vielleicht besser, öfter mal das Fahrrad zu benutzen. Wer einen Laden in der Nähe hat, braucht zum Einkaufen nicht ins Auto zu steigen. Die Gestaltung des öffentlichen Raums, die Gebäudesubstanz und die Infrastruktur entscheiden mit über den Um­ gang mit Energie. Die Gemeinde Morbach schuf mit einer neuen Siedlungspolitik Anreize, sich im alten Ortskern niederzulassen. Kommunen setzen Schwerpunkte Der Wegweiser, der auf der Grundlage der Forschung erarbeitet wurde, enthält keine Patent­ rezepte. Eine „Energie­Zielscheibe“ zeigt unter­ schiedliche Dimensionen für den nachhaltigen Ausbau erneuerbarer Energien auf – zum Beispiel „Strom vernetzen“, „Raum gestalten“ oder „Werte schöpfen“. Den Kommunen bleibt es selbst über­ lassen, abzuwägen und Schwerpunkte zu setzen. Damit ist der Leitfaden ein vielseitig einsetzbares Mittel, das ihnen hilft, ein für sie maßgeschnei- dertes Konzept zu entwickeln. An der Forschung war ein Team aus Forst­ und Umweltwissenschaftlern, Soziologen, Tech­ nikern, Volkswirtschaftlern, Geografen und Dr. Chantal Ruppert- Winkel hat Forstwissen­ schaften an der Albert­ Ludwigs­Universität studiert und wurde dort 2006 promoviert. Seit 2008 ist sie Nachwuchsgruppen­ leiterin am Zentrum für Erneuerbare Energien der Universität Freiburg. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die sozioökonomische und interdisziplinäre For­ schung zur regionalen Entwicklung, die sozialöko­ logische Forschung, die nachhaltige und effiziente Ressourcennutzung auf regionaler Ebene, die Analyse von Organisations­ strukturen, Netzwerken und Institutionen sowie die Bioenergie. Derzeit arbeitet sie an ihrer Habilitation. 2012 berief das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden­Württem­ berg sie in die Experten­ gruppe „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“. Foto: privat Zum Weiterlesen Hauber, J./Ruppert­Winkel, C. (2012): Moving towards energy self­sufficiency based on renewables: comparative case studies on the emergence of regional processes of socio­ technical change in Germany. In: Sustainability 4/4, S. 491–530. Ruppert­Winkel, C./Hauber, J./Aretz, A./ Funcke, S./Kreß, M./Noz, S./Salecki, S./ Schlager, P./Stablo, J. (2013): Die Energie­ wende gemeinsam vor Ort gestalten. Ein Wegweiser für eine sozial gerechte und natur­ verträgliche Selbstversorgung aus Erneuer­ baren Energien – Schwerpunkt Bioenergie (= ZEE­Forschung­Working Papers). Online verfügbar unter www.ee­regionen.de: „Materialien für die Praxis“ Biologen beteiligt. Diese teilten das Projekt in fünf Bausteine auf. In Freiburg zum Beispiel untersuchten die Wissenschaftler unter Ruppert­ Winkels Leitung die Entscheidungs­ und Kommuni­ kationsprozesse, die bei der Umstellung auf erneuerbare Energien in einer Region ablaufen. Die Forscher suchten dabei ständig den Kontakt mit den Ansprechpartnerinnen und ­partnern und stimmten jeden Schritt mit ihnen ab. Das schlug sich sogar im Sprachstil nieder. „Jeder muss sich unter dem, was wir sagen, etwas vor­ stellen können“, erklärt Ruppert­Winkel. Ihr Team sei mit großem Entgegenkommen und Inte- resse seitens der Projektpartner und weiterer Kommunen belohnt worden. Doch ihre mit „sehr viel Zeitaufwand“ erstellten Produkte für die Praxis sprechen nicht die Sprache wissenschaftlicher Publikationen. „Das ist durchaus schwierig für die Karriereplanung und bringt Konflikte für die Nachwuchswissenschaftler mit sich, die beides leisten mussten: Produkte für die Praxis und wissenschaftliche Publikationen. Das war und ist ein gewisser Spagat, der mit unserer Arbeitsweise einhergeht.“ Ein Spagat, der sich zumindest aus Sicht der vielen interessierten Kommunen und Bürger gelohnt hat. Auf dem eigenen Hausdach Strom erzeugen: Die regionale Energiewende ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch interessant. Foto: LianeM/Fotolia ‚‚Jeder muss sich unter dem, was wir sagen, etwas vorstellen können“ 31

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